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Die 13-Stunden-Tour am Freitag den 13., oder: wie schön,dass es noch Abenteuer gibt. von Monika Greiderer ![]() Gutgelaunt und frohgemut ging's los an diesem Freitag den 13. Zuerst über die AB bis Kufstein / Tirol, dann weiter über Kitzbühel, Felber-Tauerntunnel, Paß-Turn und Staller-Sattel bis Toblach in Südtirol. Bei strahlendem Wetter haben wir uns in der hervorragenden Eisdiele von Innichen erst einmal kulinarischen Genüssen hingegeben, um uns dann wieder den landschaftlichen zu widmen. Weiter gings mit viel Fahrfreude über den Monte Croce, wo man das schöne, aber leider oft schon zu volle Südtirol wieder verläßt und die Landesgrenze von Venetien erreicht. Hier beginnt sie wieder, die Einsamkeit pur, immer noch umrahmt von den beeindruckenden Dolomiten. Es gibt weniger Dörfer, dafür immer mehr Wald und die Häuser sind nicht mehr so gepflegt - es wird schnell klar, daß man nun wirklich in Italien ist und das Gefühl, weit weg von zu hause zu sein, steigt in mir hoch und läßt mich den Duft der Wiesen und Wälder noch intensiver einsaugen, das Gas zurücknehmen, um nur möglichst viel von diesem Geschenk in mich aufnehmen zu können. Kurve reiht sich an Kurve, soll ich nun düsen oder soll ich genießen? Ich kann mich immer öfter zum Genießen entscheiden und bin froh darüber. Wir suchen den Einstieg zum Lavardet, der an der Grenze zu Friaul liegt, was nicht schwer ist, doch als das schmale Asphaltband in - laut "Denzel"- gut befahrbaren Schotter übergeht, treffen wir 3 Motorradfahrer, stehend, diskutierend auf den 3. Mann wartend, der zu Fuß die Befahrbarkeit der nun nur noch teilweise vorhandenen Schotterstraße untersucht. Ein großes Schild mit der Aufschrift: STRADA INTERRUPTA macht das, was das Auge ohnehin sieht, nochmals unwiederrufbar. Schade, schade, das Tal vor uns schaut so verlockend aus. Wir wollen schon umkehren, als ein junger Italiener mit seinem knatternden und rauchenden Enduro-Trail-Verschnitt an uns vorbeidüst, gekonnt im Dreck wendet und mit seinem strahlendsten Lächeln vorschlägt, uns eine Umfahrung zu zeigen. Ganz begeistert stimme ich zu und gebe mein Bestes, um mit meiner viel schwereren Africa Twin dem wieselflinken Kavalier nachzukommen. Auf Schotter geht es steil bergauf, über befestigte Wasserrinnen, die bedrohlich tief sind, und ich überlege, ob ich mich nun geschmeichelt fühlen soll, weil der smarte Boy mir so viel fahrerisches Können zutraut, oder ob er überhaupt weiß, daß für mich und mein Motorrad die Grenzen viel früher gesteckt sind. Als sich all mein Hoffen schon auf einen Platz zum Umkehren konzentriert, lichtet sich plötzlich der Wald, es wird ebener und Hurra! wir sind oberhalb des abgesunkenen Teilstücks. Ich bedanke mich voller Freude und er knattert weiter, froh darüber, das Gas wieder voll aufmachen zu können. Ich für meinen Teil brauche erst mal eine Zigarette. Was tun eigentlich Nichtraucher in so einem Moment? Der nächste Abschnitt ist leicht und für jedes Motorrad gut befahrbar. Die Straße windet sich an einem Bach durch ein bewaldetes Tal bergauf und plötzlich sehe ich vor mir einen Berg, an dem sich Spitzkehre über Spitzkehre reiht. Es ist gigantisch und so unerwartet. Das Sträßchen ist sogar wieder geteert und man kann alle 22 Kehren, die faszinierend gleichmäßig übereinander angeordnet sind, von unten gut einsehen. Dazu im Hintergrund die schneebedeckten Dolomiten, am Wegesrand üppig blühende Akeleien und nur das Rauschen des Bächleins durchbricht die fast heilige Stille. Ja, für solche Momente lohnt es sich zu leben und in solchen Momenten weiß ich auch, warum ich süchtig danach bin, Motorrad zu fahren! Leider ist die Freude am Asphalt gleich oben wieder vorbei und im vor uns liegenden Tal hängt schwarz und bedrohlich ein Gewitter. Ein vernünftiger Mensch wäre hier wohl wieder umgekehrt, doch wer ist aus Überzeugung schon vernünftig? Ein kleines Kirchlein bietet Schutz vor dem nun mit aller Gewalt hereinbrechenden Gewitter. Auch so eine Stimmung kann durchaus schön sein, vor allem wenn das Gewitter nicht allzu lange dauert. Wir haben Glück und schon bald geht es durch die jetzt mit Wasser gefüllten Schlaglöcher weiter gen Gipfel. Doch die Freude währt nicht lange. Plötzlich versperrt uns ein schlammverschmierter LKW den Weg. Der Fahrer bedient gerade einen Bagger und wir müssen feststellen, daß hier die Straße ein 2. Mal unterbrochen ist. Doch laut Auskunft des netten Italieners null Problemo - nur noch ein paar Minuten und er hat an der in den Bach gestürzten Brücke vorbei, einen neuen Weg geschoben. Mit den Stiefeln trete ich noch einige Stellen am Übergang platt und hoffe, daß mein Motorrad nicht zu schwer für den weichen Untergrund ist. Der Hinterreifen gräbt sich ein, ein kurzer, flauer Moment und schon bin ich drüber, ganz stolz darauf, der allererste Mensch zu sein, der das neue Teilstück befahren darf. Doch schon nach der nächsten Kurve ist die Straße wieder abgerutscht, nur noch ein ca. 40 cm breites Reststück klebt am Hang, über das noch dazu stetig das Wasser, das vom Berg herunter kommt, läuft. Nein, ich will nicht mehr zurück, es war schon schwierig genug, bis hierher zu kommen! Also große Steine in die weichsten Stellen geworfen, gut gezielt und drüber. Dann nochmals die 20 m zurücklaufen, das Motorrad der Freundin besteigen und das gleiche noch mal. Schweißgebadet reiße ich mir die Klamotten vom Leib und ein tiefes Glücksgefühl vertreibt die Angst die mich kaum atmen ließ. Ja, wenn frau so etwas schafft, dann kann sie alles schaffen! Als sich meine zitternden Knie wieder beruhigt haben, fahre ich mit dem Gedanken weiter, daß ich das Gottlob nie mehr zu fahren brauche. Doch schon 2 km weiter und kurz vorm ersehnten Paß, ist es dann endgültig aus. Es gibt nur noch ein gähnendes Loch, wo einmal die Straße war. Mein Vorderreifen rutscht beim Umkehren in dem losen Geröll einfach weg und nur mit viel Glück kann ich das Motorrad noch zum Berg hin reißen. Eigentlich würde ich mich nun vor Enttäuschung am liebsten hinsetzen und meinen Tränen freien Lauf lassen. Aber das bringt mich nicht wieder zurück in die Zivilisation. Ich schaffe es, das Gefühl der Hilflosigkeit in Wut umzuwandeln und mit dieser Wut im Bauch fahre ich beide Motorräder nochmals über das enge und inzwischen noch aufgeweichtere Teilstück. Und diese Wut hilft mir sogar, es dieses Mal mit Bravour zu machen. Die restliche Abfahrt erscheint uns nach diesem Abenteuer wie ein Kinderspiel. Als wir im Dorf dann noch von den freundlichen Gästen einer Bar ob unseres Mutes bewundert werden, ist alles in bester Ordnung und wir beschließen, es gleich bei der nächsten Querverbindung, die eigentlich asphaltiert sein sollte, nochmals zu versuchen. Es läuft alles wunderbar, auch dieses Tal ist einmalig schön, doch leider fällt das nächste Gewitter wieder über uns her. Ein Albergo wäre jetzt dringend nötig, doch in dieser Gegend ist es so einsam, daß die wenigen Gasthöfe nur in der Hochsaison Zimmer vermieten. Durchweicht bis auf die Knochen erreichen wir dann einen wunderschönen, hospitzähnlichen Albergo und wir sind bange Momente lang froh, endlich ein Quartier erreicht zu haben. Doch der Wirt hat zwar unendlich viel Mitgefühl mit uns, schenkt uns auch einen starken Kaffee mit viel Grappa, aber Zimmer vermietet er momentan keines. "Mi dispiace" es tut nicht nur ihm sehr leid -. Am Sella di Razzo machen wir brav, trotz Nebeltreiben und steifer Finger noch ein letztes Gipfelfoto, bevor es zu dunkel dazu wird. Von hier zweigt nochmals eine ca. 5 km lange Schotterstraße zu dem idyllisch gelgenen Sauris di Sopra ab, doch nach 3 km über holprige Piste zeigt uns ein erneutes Schild: Straße unterbrochen - an, daß unser Weg schon wieder zu Ende ist. Also wieder zurück, mit der inzwischen stoischen Gleichgültigkeit, daß es schlimmer kaum werden kann. Als wir endlich, mit der allerletzten Abenddämmerung die ersten Lichter des Ortes Vigo di Cadore und der selten so herbeigesehnten Zivilisation erblicken und dann noch im Gasthof "Dolomiti" ein Zimmer für € 10,--/ Person mit einem sauguten Abendessen und köstlichem Rotwein bekommen, ist die Welt wieder in Ordnung. Bald darauf sinke ich todmüde, aber unheimlich glücklich in einen tiefen Schlaf, mit der Gewissheit, daß ich baldmöglichst, aber dann bei schönerem Wetter und hoffentlich weniger Murenabgängen, wieder hierher zurückkommen werde. |